Die Qual der Wahl

Täglich treffen wir tausende Entscheidungen, bewusst und unbewusst. Was ziehe ich an? Was esse ich? Wohin gehe ich?

So funktioniert das Leben. Einerseits freuen wir uns darüber, dass wir viele Möglichkeiten haben. Andererseits bedeutet die Entscheidung für das eine aber auch eine Entscheidung gegen etwas anderes, denn in der Regel können wir nicht zwei Wege auf einmal gehen. Das triggert häufig Ängste, irgendwas zu verpassen oder nicht die beste Option zu wählen. Trifft man jedoch gar keine Entscheidung, kann die wenig verlockende Alternative sein, dass uns die Entscheidung abgenommen wird oder wir stillstehen, weil wir uns zu gar nichts durchringen können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, mutig voranzugehen und zu entscheiden. Lieber zweimal falsch liegen, als gar nichts zu tun.

Entscheiden, aber wie?

Manches entscheiden wir aus dem Affekt, und brauchen gar nicht lange, um darüber nachzudenken. Kaffee oder Tee? Sommer- oder Wintertyp? Dortmund oder Schalke? Andere Entscheidungen lösen eine innere Spannung in uns aus, weil die Optionen sich die Waage halten. So hin- und hergerissen zu sein, kann richtig unangenehm werden. Mir hilft es dann, meine Gedanken zu sortieren. Ich gehe alle meine Möglichkeiten im Kopf durch und kläre: Was spricht für diese Möglichkeit und welche positiven Gefühle löst sie in mir aus? Was spricht gegen diese Option und welche negativen Gefühle löst sie in mir aus? Wenn das Bild klarer wird, fällt mir die Entscheidung meist leichter.

Immer noch unentschieden?

Stell dir eine alte Waage vor, auf der links die Vorteile der einen und die Nachteile der anderen Möglichkeit liegen. Rechts liegen, umgekehrt, die Vorteile der anderen und die Nachteile der einen Möglichkeit. Was wiegt schwerer? Bei besonders schwierigen Entscheidungen hilft es mir, alle Vor- und Nachteile aufzuschreiben und zu bewerten, wie schwer sie wiegen, zum Beispiel in Punkten von 1 bis 10, wobei 1 überhaupt nicht wichtig und 10 besonders wichtig ist.

Gleichstand

Es kann nun immer noch sein, dass du feststellst, dass die Waagschalen genau ausgeglichen sind. Vielleicht hilft dir dann deine Fantasie weiter: Stell dir nur einmal vor, du hast deine Entscheidung schon getroffen. Wie fühlt sich die getroffene Entscheidung in dir an? Wie zufrieden macht es dich? Ein paar Tage mit so einer „Entscheidung auf Probe“ zu leben, kann die Vor- und Nachteile der Optionen verdeutlichen.

Für den Fall, dass alle Optionen genau gleich gut sind, ist das letzte Mittel für mich persönlich, eine Münze zu werfen oder zu würfeln. Schließlich ist ja beides gleich gut. Wie auf einem Spaziergang, bei dem man einen neuen Teil der Stadt erkundet. Mit Zeit und Lust, etwas Neues zu entdecken, kommt man an eine Weggabelung – eine Entscheidung zwischen links und rechts muss her. Wenn beides gleich gut ist, kann ich getrost loslaufen und darauf vertrauen, dass alles gut wird. Oder? In jedem Fall besser, als stehenzubleiben oder zurückzugehen.

Malte Neugebauer
kümmert sich im Bund Freier evangelischer Gemeinden um das diakonische Jahr. Obwohl er ein Kopfmensch ist, hat er sich für seine Frau und seine Gemeinde aus dem Bauch heraus entschieden – und ist mit beidem hochzufrieden.