So habe ich Freundschaft erlebt …

Bei den vielen neuen Bekanntschaften, die man während des Freiwilligendienstes macht, kann es herausfordernd sein, auch die alten aufrechtzuerhalten. Hier berichten Freiwillige von den Chancen und Herausforderungen für ihre Freundschaften während der Zeit.

„Schon bevor mein FSJ begann, wusste ich, dass ich nicht alleine als Freiwillige in der Einsatzstelle arbeiten würde. Ich machte mir Sorgen, ob wir uns verstehen würden, gerade weil wir auch zusammen wohnen sollten. Aber als wir uns kennenlernten, fanden wir uns auf Anhieb sympathisch. Im Laufe des Jahres haben wir so viel gemeinsam erlebt, was uns miteinander verbindet. Ich hoffe sehr, dass wir weiterhin in Kontakt bleiben, auch wenn danach jeder seinen eigenen Weg geht.“

Anja Krey
CVJM-LV Hannover

„Für mein FSJ bin ich aus Russland nach Deutschland gekommen, und alles um mich herum war neu. Deswegen habe ich in diesem Jahr so viele Leute kennengelernt wie noch nie. Ich glaube, jede dieser Personen hat ihre Spur in meinem Leben hinterlassen und ich hoffe, dass ich mit einigen in Kontakt bleiben werde. Mit meinen Freunden in Russland habe ich regelmäßig geschrieben und sie haben sich immer sehr gefreut, wenn ich mal Urlaub hatte und in der Heimat war. Wir haben uns dann genauso gut verstanden wie früher.“

Natalia Isakova
Ev. Kirchengemeinde
Markkleeberg

„Wir haben uns als Paar ganz bewusst dafür entschieden, eine Fernbeziehung über Ländergrenzen zu führen. Auch wenn wir Angst hatten, ob unsere Beziehung das aushalten würde, haben wir es allen Zweiflern – und vor allem uns selbst, bewiesen. Wir waren sehnsüchtig und haben geweint, haben vermisst und manchmal hatten wir das Gefühl, die Zeit würde nie vorbeigehen. Aber wir waren auch füreinander da, haben uns bewusst Zeit genommen, aufeinander gehört und ehrlich jedes Gefühl geteilt. Die Distanz hat uns zusammengeschweißt, hat uns auf neue Art und Weise gezeigt, wie wir miteinander umgehen können und dass wir uns bedingungslos vertrauen können. Durch den intensiven Austausch haben wir beide die Einsatzstelle des Anderen fast so gut kennengelernt wie die eigene. Eins ist sicher: Ohne unseren Freiwilligendienst wäre unsere Beziehung nicht dieselbe.“

Philip
CVJM Norwegen 14/15
Franzi
CVJM England 16/17

„Freundschaften waren in diesem Jahr das Wichtigste für mich. Meine beste Freundin, die ein Auslandsjahr machte und nur alle paar Wochen erreichbar war, wurde mit minutenlangen Audios auf dem Laufenden gehalten und mein Freund hatte ziemlich hohe Telefonrechnungen durch die stundenlangen Gespräche am Abend. Mein Freundeskreis verkleinert sich, denn ich merkte, welche Freunde wirklich so wichtig waren, dass der Kontakt hielt. Aber es kamen auch neue Freunde dazu, die in diesem wichtigen Lebensjahr direkt dabei waren und die Erlebnisse besser verstehen konnten als alle anderen. Alle diese Freundschaften haben mir durch schwierige Zeiten geholfen und mich in schönen Momenten beflügelt.“

Maria Köhn
CVJM-KV Siegerland

„Ich bin aus NRW nach Hamburg gezogen und habe so plötzlich 400 Kilometer weit von meinem Freund weg gewohnt. Trotz, oder gerade weil wir vorher schon etwas über ein Jahr zusammen waren, war die Distanz umso schwieriger zu ertragen. Trotzdem kann ich sagen, dass das Wegziehen eine gute Entscheidung war, da durch mein FSJ sowohl mein Glaube als auch die Beziehung zu meinem Freund extrem gefestigt wurden. Es war eine anstrengende Zeit, aber ich denke, sobald eine Beziehung so etwas übersteht, wird sie auch noch länger halten.“ Alina Fiedler (CVJM Oberalster zu Hamburg)

Alina Fiedler
CVJM Oberalster
zu Hamburg

„Ich bin für den BFD nach meinem Abitur in England nach Wuppertal gekommen. Obwohl ich mich sehr auf das Jahr gefreut habe, war der Abschied von meinen Freunden sehr traurig. Für meine beste Freundin war es noch schwieriger als für mich. Es war klar, dass wir uns jetzt nicht mehr so oft sehen würden wie bisher. In Wuppertal kannte ich niemanden. Ich bin sehr dankbar, dass in meiner Einsatzstelle gleichzeitig mit mir auch zwei Jahrespraktikanten neu anfingen. Meinem Anleiter war es sehr wichtig, dass ich auch eine Gemeinde finde, und durch die Gemeinde habe ich dann viele neue Freunde gefunden. Dabei habe ich gelernt, dass ein Altersunterschied relativ egal ist. Durch die Gemeinschaft und intensiven Gespräche bei den Seminaren sind auch gute Verbindungen entstanden. Es ist mir schon bewusst, dass ich die Freunde aus der Seminargruppe vermutlich nicht wiedersehen werde, zumindest nicht in dieser Form. Aber ich denke dann an die Bibelstelle in Prediger 3,1, wo es darum geht, dass alles auf der Welt seine Zeit hat. So sind auch manche Freunde nur für eine Zeit lang da, aber sie sind es trotzdem wert, in die Beziehung zu investieren.“

Emily Bradley
CVJM Adlerbrücke

„In meinem Freiwilligendienst habe ich sehr verschiedene Menschen kennengelernt. Ich habe dabei gelernt, dass ich offen und ehrlich sein kann, ohne mich zu verstellen und Menschen mich so akzeptieren können, wie ich bin – das ist ein wunderbares Gefühl. Ich fand es auch stark zu merken, dass man sich auf viele Menschen verlassen kann. Auch bei denen, die ich erst nicht sympathisch fand, habe ich gemerkt, dass es mir leichter fiel, Beziehungen zu bauen, je länger wir bei den Seminaren oder auch in der Einsatzstelle miteinander zu tun hatten. Ich glaube, das Gefühl der Zugehörigkeit wird bleiben, egal wie weit man voneinander weg lebt.“

Keanu Kuhn
CVJM Waldbröhl

Sammlung: Wiebke Mohme